Wir erinnern uns, Stiftung Warentest, Öko Test und der TÜV fanden StudiVZ super. Und schon vor diesen Test hatte es massive Sicherheitslücken bei Studi VZ gegeben, ein obskurer Selbstmord hatte die ganze Sache in einem unglücklichen Licht stehen lassen.
Und jetzt gibt es einen erneuten Datenskandal. Wieder geht es darum, dass es jemand gelungen ist, einen kleinen Crawler zu programmieren, der erneut einen riesen Datensatz aus dem Netzwerk von Studi VZ gesammelt abgegriffen hat. Das ist exakt das gleiche Verfahren, dass im letzten Oktober für Wirbel gesorgt hat und von dem wir wussten, dass studi VZ es abgestellt hat – so hatte uns das auf jeden Fall der Unternehmenssprecher erklärt.
Was man mit so einem Datensatz, der Alter, email Adressen etc. von mehreren tausend Mitgliedern enthält, alles anfangen kann, dürfte keiner weiteren Erläuterung wert sein. Um so ärgerlicher ist die Berichterstattung über diesen Datenskandal: In der gestrigen 20:00 Uhr Tagesschau zitierte die Sprecherin unkommentiert das Statement von Studi VZ, dass man ja „nur Daten einsehen könnte, die eh schon öffentlich“ waren. Und ab diesem Moment schaltet der Normalzuschauer ab und denkt sich, ach alles in Ordnung. Was ja aber mit nichten so ist. Denn jeder Nutzer dieses Portals geht davon aus, dass nur angemeldete Personen diese Daten lesen können. Ausserdem entsteht so ein erheblicher wirtschaftlicher Schaden, denn solche Datensätze sind Gold wert.
Und dann wischt man sich die Augen, blättert noch mal in den Magazinen, die bekannt sind für Ihre Testkompetenz, deren Button auf den jeweiligen Produkten diese zu Verkaufsschlagern macht und fragt sich, wie kann das sein? Warum bekommt ein Portal, das in einem halben Jahr zweimal massiv Probleme mit Datensicherheit hatte, erstklassige Noten von bekannten Prüfinstitutionen? Auf Nachfrage verweisen die auf das Kleingedruckte und erklären, man habe ja nur die Datenschutzerklärung der einzelnen Portale mit den Datenschutzrichtlinien der Bundesregierung verglichen.
Da reibt sich der geneigte Bürger die Augen und fragt sich: Geht so ein Test? Zwei Texte auf Übereinstimmung überprüfen? Und schon wieder mal wird deutlich, dass zwischen der breiten Masse und einer kleinen Gruppe von erfolgreichen Strategen eine große Kluft herrscht: Technisches Unverständnis!
Und wieder schreit es in mir: Warum Konstrukte von vor 30 Jahren künstlich am Leben erhalten, wenn Aufklärung schon ausreichen würde? Wann fangen die entscheidenden Stellen wirklich an, sich zu informieren und nicht nur zu versuchen, dass schon irgendwie alles so bleiben soll, wie es schon immer war.
Dieser erneute Datenskandal ist peinlich! Peinlich für Studi VZ, das bestimmt wieder nur abwiegeln wird, anstatt zu ändern. Er ist peinlich für Prüfinstitutionen, die sich deklassieren und beweisen, dass sie von dieser Materie nichts verstehen und er ist auch peinlich für Holtzbrinck, dem Medienkonzern, der für viel Geld dieses Portal erst so groß hat werden lassen und es jetzt offensichtlich nicht mehr weiterentwickelt.
Ich tue das, was jeder tun sollte: Mich informieren und meine Kinder aufklären. Denn Datenschutz und -sicherheit wird immer mehr eine Frage von persönlicher Kompetenz.
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