Datenschutz – warum?

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2012-02-26_1330254513Es gibt ihn jetzt endlich – den Testbericht zum Lieblingsspielzeug der digitalen Gesellschaft: Stiftung Warentest hat Noten für Datenschutz bei Social Communities gegeben. Das Ergebnis erstaunt nicht wirklich: Schneidet alles schlecht ab, einzig und allein schülerVz, meinVz und Lokalisten bekommen lobende Erwähnungen für den Datenschutz. Da reibt man sich die Augen und denkt kurz an den Datenskandal vor einigen Monaten, als es Crawlern gelang, automatisiert Profile bei schülerVz abzugreifen … das ist dann sicher kein Kriterium für Datenschutz bei Stiftung Warentest …

Aber diese Frage stellt sich doch sowieso: Kann man Social Communities überhaupt nach Datenschutzkriterien testen? Was ist da eigentlich Datenschutz?

Nun komme ich ja noch aus einer Generation, die in den 80ern gegen die Volkszählung gewettert hat. Trotzdem bin ich bei Facebook angemeldet, nutze es persönlich und auch intensiv im Zusammenhang mit Kunden. Was ist der Unterschied? Ganz einfach – Freiwilligkeit!

Datenschutz geht von dem Fall aus, dass eine Person grundsätzlich ein Recht darauf hat, dass persönliche Daten nicht für jedermann zugänglich sind. Sprich, dass ein Riegel davor geschoben wird, dass Dritte diese Daten ausspionieren. Sprich, dass jeder der Herr oder die Frau über seine eigenen Informationen ist. Inwieweit sich Meldeämter und Finanzbehörden da dran halten, ist ein anderes Thema …

Und wie ist das bei Social Communities? Nun, niemand wird zur Mitgliedschaft gezwungen … Niemand wird zum Posten gezwungen … Niemand wird zu Freundschaften mit anderen Mitgliedern gezwungen. Die Infos, die zur Verfügung gestellt werden, stellt jeder freiwillig zur Verfügung. Hm, Datenschutz?

Mich deucht, wer Social Communities nach Datenschutzkriterien testet, tut ähnliches, wie wenn man testen würde, inwieweit Computer Hemden hübsch glatt bügeln.

Sollte man nicht viel besser darüber nachdenken, dass man nicht geübten Usern beibringt, wie man mit Social Communities umgeht. Was man posten kann und was man lieber sein lassen sollte.

Und – auch wenn das politisch nicht korrekt ist – sollte man nicht darüber nachdenken, wie man dieses spielerische Mitteilungsbedürfnis der Nutzer von Social Communities nutzen kann? Was ist verwerflich daran, Daten, die jemand freiwillig zur Verfügung stellt, zu nutzen?

Ich wünsche mir einen Datenschutzbeauftragten, der seine Kriterien nicht in 80ern gelernt hat. Und eine Stiftung Warentest, die Computer auf Ihre Fähigkeiten testet, weiße Hemden hübsch aussehen zu lassen :mrgreen:

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