20th Mrz2012

Streamen oder besitzen?

by Markus Dreesen

Ich gebe zu, ich bin eher das ältere Semester, aber trotz allem sehr fasziniert von neuer Technik. Meistens verstehe ich sie auch und mag sie strategisch abklopfen und einordnen. Gerade als gelernter Radiomann bin ich allerdings mit einer solchen Einstellung – nun, etwas einsam.

Das Radio ist in den letzten Jahren nicht wirklich für seine Innovationskraft bekannt, obwohl es sich stabil auf dem Medienmarkt behauptet. Vielleicht kann man aber so den extrem schlechten Share des Mediums am Werbekuchen erklären – wie auch immer.

Gerade die Radiolandschaft wird in diesen Tagen durch einen neuen Player aufgeschreckt – Spotify hat auch in Deutschland seine virtuellen Pforten geöffnet und wildert im Markt der Hörer – und das erstaunlich erfolgreich. Musik ohne Limit stationär und mobil – wenn man ein kostenpflichtiges Abo abschließt. Und das Musikformat bestimmt der Hörer selbst. Das schreckt die Radiostrategen – zu Recht – auf, denn somit wird im ureigenen Terrain des Radios gewildert – der Musik.

Und ich, ich beobachte das und nutze spotify – nicht nur aus professionellem Interesse. Denn Musik ist mein Leben und so finde ich immer wieder Schätze – auch auf spotify. Aber ich hole mir kein Abo – habe das auch bisher noch nicht bei all den anderen vergleichbaren Diensten wie simfy oder napster gemacht. Und der Grund – nun – ist altmodisch.

Ich will besitzen. Musik ist mir so wichtig, dass ich überall und immer uneingeschränkt Zugriff auf meine Lieblinge haben will. Deswegen hege und pflege ich auch meinen iPod, der mir mit 160 GB eine erstaunliche Anzahl von Songs immer abrufbar zur Verfügung stellt. Und ja, bald ist das Limit erreicht und dann … werde ich immer noch nicht streamen, sondern mir eine andere Lösung suchen – mehr Speicherplatz, der geneigte zweitPod … wir werden sehen.

Und ich kann mich nur über mich selbst wundern, dass ich mich so ganz dieser neuen Technik verweigere, aber das, was mir wirklich lieb ist, will ich auch wirklich in meinem Besitz haben. Vielleicht ist das ja auch ein kleines Erfolgsrezept für das innovationsferne Radio – sich quasi antizyklisch zu positionieren und bewusst auf die Auswahl zu setzen. Quasi Massenformat vs. Handverlesen mit Empfehlung. Wäre sicher eine Positionierung, die sich abhebt von rein technischen Empfehlungslösungen.

Wie auch immer … Ich mag meine Schätze. Und Sie? Streamen? Oder auch besitzen?

23rd Nov2011

Eine Geschäftsidee

by Markus Dreesen

© Padelt 3D/ pixelio.de

Ich weiss, ich sollte das nicht schreiben! Ich weiss, ich sollte doch einfach den Mund halten! Aber ich kann nicht! Es tut mir zu weh, wenn ich immer den Mund halte! Jawohl, Bauchzwicken! Und deshalb ist dies ein rein medizinischer Akt. Ich meine das gar nicht so, ich bin nur getrieben! Aber ehrlich, das muss man doch mal sagen dürfen. Insofern …

Tut man sich um in dem “Ich mach was mit Medien” Markt und hat dabei auch mit dem Bau von Internetseiten zu tun, stößt man immer wieder auf sie: Die Menschen, die angeekelt ihr gepudertes Näschen kräuseln und sich – meist erfolgreiche – Seiten anschauen und sagen: “Ach Gottchen, das sieht aber unaufgeräumt aus. Pfui, Spinne!” Um sich dann ihren Designs von wunderbaren Seiten zuzuwenden, auf denen ganz viel Weiss zu sehen ist, ganz wenig Inhalt, große, inhaltlose, wunderbare “Key Visuals” und bestimmt auch irgendwo der goldene Schnitt drin. Und als Content Mann, der das Wort SEO nicht nur mit ganzen Worten füllen kann, sondern der auch weiss, was das wirklich heisst, steht man da und versucht verzweifelt zu erklären, dass es im Internet nun mal nicht auf das Aussehen ankommt, sondern auf den Content, der sich auf der Seite befindet.

Auch das Argument, dass man niemand kenne, der JEMALS ein zweites Mal auf eine Seite gegangen ist, weil sie schön ist, wird mit hohen Näschen, leicht abschätzig gehobenen Mundwinkeln abgetan und man selbst fühlt quasi, wie stante pedem die Hose Löcher bekommt, die Schuhe verdrecken und das Hemd sich in ein Aschgrau umfärbt – weil man doch so ein stilloses Etwas ist.

Gut, Seiten wie surfmusik.de, die anmuten, als wären sie für Netscape 1.5 optimiert, gelten auch nicht als Argument – Zugriffe ohne Ende mit einem extrem lohnenden, simplen, erfolgreichen Geschäftsmodell dahinter. “Geschäftsmodell? Igittigitt!” Sind solche Seiten doch der Beweis: Content rules – hier die umfangreichste Streamsammlung, hübsch kategorisiert – und extrem erfolgreich – wer seinen Stream dort schon mal eingestellt hat, hat sich sicher auch über die Verdopplung der Zugriffe gewundert …

Deswegen, um auf die Überschrift zurückzukommen, wer gründet mit mir doooogle.de – die Suchmaschine für die wirklich schönen Seiten im Netz. Der Logarithmus ist einfach erstellt: Ganz viel Weiss – top. Content kaum auffindbar – noch toper. Und schließlich: Bei Google unter den letzten Ergebnissen – am toppesten!

Und bezahlen tun´s die Schöngeister – wer eine wirklich schöne Seite finden will (“Guck mal, wie stilvoll!” “Und was findet man da?” “…”), bezahlt sicher auch gerne eine Menge Geld dafür in einer Zeit, wo man zugeschüttet wird mit diesen Content beladenen, user-freundlichen, übersichtlichen Seiten. Sicher.

Also, wer macht mit? :mrgreen:

 

01st Sep2011

Wie posten?

by Markus Dreesen

© Martin Müller/ pixelio.de

Etwas erstaunt über die Resonanz zu meinem letzten Artikel, der bewusst praxisbezogen war, gibt´s jetzt gleich einen weiteren Artikel zum Posten – wieder bewusst simpel und praxisbezogen: Wie sollte man posten, um möglichst Nutzer der Seite zu binden, neue zu generieren und Kommentare und damit Interaktion zu bekommen.

Ein Grundgebot beim Posten sollte der “Call of action” sein – ein Post, der einfach nur sendet, behauptet oder ein Statement abgibt, wird auf Brandseiten zu wenig Erfolg führen. Allerdings was heisst der “Call of Action” konkret?

  • Der einfachste Fall ist die simple Frage. Und mit simpel ist auch wirklich simpel gemeint. Ein kleines Screening z.B., wo die Fans eigentlich leben, führt schnell zur Konversation unter den Kommentatoren selbst und damit zum Leben auf der Seite.
  • Ein schönes Mittel – meiner Meinung nach ein sehr gutes – ist der “Ausfühl Post”. Man fordert die Leser einfach auf, die Leerstelle zu füllen: “Sagt uns, wann Ihr xy am liebsten nutz! “Ich nutze xy, wenn ………..” Das ist die einfachste Art, für den Nutzer zu antworten und funktioniert immer.
  • Nicht wirklich schick, aber teilweise nützlich ist der Aufruf zur Empfehlung. Die “Follower Power” nutzen, also an das Herz der “Community” appelieren. Dies sollte mit Content gefüllt werden – eine Belohnung ist nicht zu empfehlen, weil administrativ aufwendig – also z.B. eine Formulierung der Empfehlung: “Empfehlt uns bei Euren Freunden – hier ist die Seite, die Euch nützliche Infos gibt/ die besten Locations zeigt …” Allerdings sollte dieser Aufruf eher selten gemacht werden. Schließlich sollte die Seite durch Klasse die Masse anziehen …

Ein gutes Mittel, um User zu binden, ist der geeignete Umgang mit News. Allerdings ist das News Geschäft selbst doch eher den Kollegen der Nachrichtenzunft zu überlassen – das Personal ist einfach zahlreicher. Stattdessen ist der kreative Umgang mit News gefragt:

  • Aktuelle Nachrichten, die über die eigentliche Meldung hinaus von Belang sind, gilt es, in einen neuen Zusammenhang zu stellen. Wann sind den Usern ähnliche Dinge passiert, wo waren sie, als das Ereignis stattfand, wo haben sie davon erfahren und von wem …
  • Eine wirklich gute Art, mit News umzugehen, ist der aktuelle Tag. Der ist heiss, kalt (Wetter geht IMMER!), der hat thematisch mit dem Brand zu tun (Es gibt den Tag des BUTTERBROTS) oder er ist 1, 2, 3 … Monate entfernt von einem wichtigen Tag … für das Brand, für den User…

Ein weiteres schönes Mittel zum Einbinden der User in die Seite ist das Sich-Beschäftigen mit Facebook selbst. Kleine Mash Ups, was gerade für Videos durch die digitale Gemeinde gejagt werden, welche Trends aufgefallen sind (und natürlich die Frage nach den Eindrücken der User, sic!) etc. gehen gut – Facebook User lieben Facebook!

Mit diesen kleinen Hilfen ist es hoffentlich einfacher für die “Bestücker” der jeweiligen Fanpage, die Userzahl zu steigern, aber vor allen Dingen die User zu unterhalten und damit nachhaltig an das Brand zu binden.

 

 

25th Aug2011

Wann posten?

by Markus Dreesen

Die wichtigste Frage für Posts im Social Web ist immer noch das „Was?“ – also die Frage nach dem Inhalt, egal auf welcher Plattform. Viele beantworten sich selbst die Frage, wie oft – die Skala reicht von „höchstens 3 Mal die Woche“ bis „einmal die Stunde mindestens“.

Allerdings scheint es vor allen Dingen darauf anzukommen, WANN man im Social Network postet. Neue Studien zeigen, dass man durchaus von „Idealen Postzeiten“ sprechen kann. Also Zeiten, in denen das „Was?“ auch zur entsprechenden Wirkung kommt.

Üblicherweise posten Brandseiten zwischen 9:00 und 17:00 Uhr. Das hat natürlich mit den Bürozeiten zu tun. Das sind aber nicht die Zeiten, zu denen auf den Social Media Plattformen die meiste Aufmerksamkeit herrscht.

Diese hat man in diversen Studien versucht zu ermitteln. Kriterium für den aufmerksamen User waren dabei die höchste Zahl der „Likes“ – also die Tatsache, dass Nutzer Beiträge geteilt haben. Dabei entpuppt sich bei Facebook der Samstag gegen Mittag und etwas nach 19:00 Uhr als idealer Zeitpunkt.

Bei Twitter war das Kriterium die höchste Zahl der „Retweets“ – also Einträge, die von anderen Twitter Nutzern noch einmal gepostet wurden. Dabei zeigt sich ein ähnliches Bild wie bei Facebook: Der Social Timing Sweetspot ist am Wochenende, gegen Mittag oder nach 18:00 Uhr.

Auch über die Häufigkeit scheinen sich Aussagen machen zu lassen, was die ideale Aufmerksamkeit angeht: Brands, die bei Facebook alle zwei Tage einen Post absetzten, erhalten die meisten „Gefällt Mir“´s – bei Twitter erreicht man den höchsten CTR (also die Ausbeute aus tatsächlichen Präsentation des Posts), wenn man in einer Stunde höchstens 4 Tweets absetzt.

Natürlich sind diese Regeln nicht für aktuelle Zusammenhänge zu gebrauchen – ein aktuelles Ereignis muss natürlich zum aktuellen Zeitpunkt gepostet werden. Aber gerade die Posts, die brandverstärkend sind, sollten möglichst zu diesen Zeitpunkten gepostet werden. Denn Social Media bedient sich einer Timeline, die nach der Logik „das Aktuellste oben“ funktioniert. So verschwindet der schönste Content, wenn er nicht zur idealen Zeit gepostet wird.

Wer jetzt sagt, dass ja aber gerade da kein Personal zum Posten vorhanden ist, dem sei technische Hilfe an die Hand gegeben. Zuerst einmal der Internet-basierte Dienst „HootSuite“: Hier kann man diverse Social Media Accounts anlegen und die jeweiligen Posts genau timen – also, Freitags geschrieben und pünktlich Samstags Mittags in der Timeline der User.

Oder auch Tweriod: Ein Dienst, der das Verhalten der eigenen Follower auf Twitter analysiert und somit individuell die Zeit der höchsten Aktivität der jeweiligen Follower ermittelt.
Es wäre doch schade, wenn all der schöne Content ins Leere geht …

19th Aug2011

Fussball, Facebook, Fifa …

by Markus Dreesen

Es sind bekanntlich die kleinen Dinge, die die wirklich großen Veränderungen ankündigen: Heute, am 19.08.2011 passiert ein nur lokal interessantes Ereignis – weltweit: Facebook überträgt ein Spiel aus der Amateur Klasse – Ascot gegen Wembley. Und weil es Facebook ist, ist natürlich auch ein großer Sponsor dabei.

Und das in einer Zeit, in der die DFL eh laut darüber spricht, die heilige Kuh Sportschau am Samstag Abend zu schlachten – mit Hilfe des Internets.

Dabei spielt das Internet seine Karte wie einen Royal Flash aus der Hand: Egal ob lokale Ereignisse, internationale Ereignisse – immer öfter stoßen Betreiber digitaler Plattformen in Felder, die eigentlich traditionell Terrain der großen Massenmedien waren.

Auch die samstagsnachmittägliche öffentlich rechtliche Bundesligakonferenz im Radio hat seit einigen Jahren einen ermstzunehmenden Internet Feind: 90elf. Klickzahlen am Wochenende, die jedem öffentlich rechtlichem Sportredakteur das Fürchten lehren sollten.

Überhaupt schlachtet das Internet gerade seine technischen Möglichkeiten aus: Es geht immer mehr in den Mikrokosmos mit Diensten wie foursquare und den entsprechenden Koops, auch die alte Tante Radio nutzt solche Dienste, um seinen lokalen Vorteil in der digitalen Welt zu behaupten.

Und was heisst das für die traditionsreichen Massenmedien? Nun, warm anziehen, neue Konzepte mit und nicht gegen das Internet entwickeln und auf der Hut sein. Denn wenn es schon Kochshows auf Google+ gibt und Ibrahim Evsan in der w&v postuliert, dass gerade durch Google+ jeder zum Marketingexperten werden kann, dann deucht es mich, dass die Zeitenwende “umme Ecke” ist :mrgreen:

11th Aug2011

Koch mal!

by Markus Dreesen

Bisher hab ich mich hier nicht über das neue Soziale Netzwerk Google+ ausgelassen, ausser dass ich den entsprechenden Button in meine Social Kontaktmöglichkeiten eingefügt habe. Ich tummle mich da, beobachte fasziniert, wie sich eine neue Community entwickelt und wie klug die Nutzer mit den gegebenen technischen Strukturen umgehen. Klar, es gehört in der Zunft natürlich auch zum guten Ton, einen Account in dieser Plattform zu haben, wo es doch noch immer einer Einladung bedarf.

Aber bisher kann ich nur Vorteile sehen: Technisch auf hohem Niveau mit User-friendly Oberfläche und gerade die Circles haben es in sich: Machen Sie persönliche Nachrichten überflüssig, da diese durch Postoptionen in der üblichen Timeline abgefackelt werden. Sehr simpel, sehr intuitiv. Hinzu kommt das Niveau der Posts: Man hat den Eindruck, dass alle User froh sind, eine Community zu haben, in der man sich niveauvoll über Dinge austauschen kann.

Soweit so google. Und jetzt gibt es schon eine erste kleine Erfolgsstory, die vor allen Dingen zeigt, was für ein Potential in Social Media generell und Google+ im Besonderen steckt: Lee Allison ist eigentlich Technologie Berater und Google+ Nutzer. Der hat einfach das Google+ Feature Hangouts genutzt, um mit dieser Video Chat Funktion eine eigene Kochshow zu etablieren – die schließlich in sein Start Up Unternehmen The Social Skillet gemündet ist. Der eh begeisterte Hobbykoch hatte immer schon Freunden gezeigt, wie man kompliziertere Gerichte kocht und hatte eigentlich das ganze nur mit der Video Chat Funktion vereinfacht – der Rest zeigt, wie einfach bei geeignetem Content die Multiplikation durch Social Media funktioniert.

Und was heisst das jetzt? Nun, Social Media wird immer mehr zum Massenmedium – Dienste, wie Google+ (das erst im Juni diesen Jahres gestartet ist und jetzt schon – 2 Monate später – eine solche Erfolgsstory vorweisen kann!) machen vor, dass auch “medienfremde” User zu Produzenten von massenmedientauglichen Inhalten werden können. Man muss nur die angebotene Technik mit geeignetem Content nutzen.

Für alle professionellen Medienanbieter heisst das, dass man sich dringend eine Strategie in diesen neuen Massenmedien anschaffen sollte, bevor die User solche Unternehmungen überflüssig machen, weil sie einfach flexibler und schneller sind!

Ach so, das ganze kann man in aller Schönheit im Blog der New York Times nachlesen und darauf gestoßen bin ich natürlich bei Google+ :-)

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