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Missionar no more … (Radio und Social Media)

Radio und Social MediaEs sind immer wieder diese Momente, die mir eigentlich einen Stich ins Herz versetzen: Da postet ein verdienter Kollege eine Studie auf Facebook, in der es um Radio und Social Media geht. Und ja, es WAR einmal mein Haupbeschäftigungsfeld – das Radio zuerst und dann ganz besonders Radio und Social Media. Und ja, es ist doof, mit vergangenem zu prahlen, aber mit einem kleinen Sender in Hessen waren wir der erste Sender auf Facebook, haben einen höchst erfolgreichen Blog betrieben und sogar dem großen das Fürchten gelehrt (Ein hektisch angesetzter „Rocktober“ hat uns alle zum Schmunzeln angeregt!). Und ja, die MA, der heilige Gral in Radiodeutschland hat auch entsprechend auf unseren Erfolgsmix aus Radio und Social Media reagiert.

Monate später, lähmende Diskussionen auf Gesellschafterebene weiter und energiezehrende Missionarstaten in Sachen Radio und Social Media folgend habe ich dann im Einvernehmen das Handtuch geschmissen und mich konsequent dem Online Business zugewandt – um nicht mehr überzeugen zu müssen, wo Angst vor Veränderung und Borniertheit vorherrscht. Eine gewisse Sturheit im Gemüt hat sicher auch dazu geführt, dass nicht nur Freunde im Business übrig geblieben sind – aber schaut man sich das heutige Radioland an, ist verdammt viel von dem, was wir vor 6 Jahren als Pionierarbeit in Hessen geleistet haben, hängen geblieben – wenn auch unwillig.

Und was hat das jetzt mit Radio und Social Media und dem Missionar zu tun

Radio und Social Media

So, was steht nun in der Studie? 30 % der Befragten gaben an, dass sie eher Radio Sender hören, die mit Ihren Hören direkt interagieren – bevorzugt über Social Media. Nun ja, das war ja eigentlich klar, aber so mit Zahlenmaterial untermauert hat das ja auch was. Das ist jetzt auch nichts revolutionäres, aber die Geschichte fängt an zu rollen, wenn man dann den Kommentar von einem sehr verdienten Kollegen zu diesem Post ließt (Klick auf das Bild vergrößert es …): Da tauchen sie alle wieder auf, die ewig und immer gestrigen Argumente: „70% tun es nicht“ – „Ressourcen beschränkt, dann kann man nicht alles wünschenswerte finanzieren ..“ – und jetzt mein Lieblingsargument (ich glaube, ich habe das mehrere 10 Tausend Male gehört!) „… muss sich stattdessen auf die Kernassets konzentrieren.“

Da möchte man doch mal nachhaken! Kernassets? Radio? Ach ja, Musik. Hmmm… In Zeiten von iPods, Streaminservices und Flatrates ist das lächerlich! News??? Nun, Facebook, Twitter, Tagesschau App etc. machen es vor, wie das wirklich geht! Und, ja genau, Verkehrsservice … Genau, Blitzer.de und ähnliche Apps können dem aktuellen Radio natürlich nicht das Wasser reichen …

Ich möchte mich erklären: In meinem Herzen bin ich leider immer noch ein Radiomann! Ich liebe dieses Medium. Gerade deswegen habe ich mich in der letzten Zeit meines aktiven Schaffens auf Radio und Social Media spezialisiert, weil ich glaubte, dass diese Verquickung eine wunderbare, erfolgsversprechende Ausrichtung ist – ich glaube da immer noch dran, aber ich WEISS, dass die Verantwortlichen viel zu verbohrt und ängstlich sind, um auch nur einen Millimeter von Ihren schicken „Kernassets“ zu rücken. Stattdessen gewöhnt man sich ans „Gesundschrumpfen“ und hofft, dass es bis zur Rente reicht …

Ich weiss, das ist pointiert – das ist böse und wird vielen nicht gerecht, aber es ist der Status Quo. Scheuklappen, wo man im Radioland Deutschland hinschaut! Radio und Social Media scheinen nicht wirklich zusammenzugehen. Und überhaupt – was schon bei Radio und Social Media hinkt wie Käpt´n Ahab, passt gar nicht zusammen, wenn es um Radio und Online geht. Ein munteres „Weiter so“ herrscht vor und wenn man sieht, dass an übergeordneter Stelle noch unsägliche Webseiten zu einem Preis knapp unter der 100 000,- € Marke bestellt und bezahlt werden, kann man nur sagen: „Nichts kapiert!“

Und ja, die Online Welt lacht sich ins Fäustchen, freut sich darüber, dass ein lästiger Apendix immer weniger Anteil am Werbekuchen übrig behält und stürzt sich in die nächste Entwicklungsrunde! Derweil schnarcht es aus dem Äther …

Und die Tatsache, dass ich als Online Mensch Social Media Anfragen aus dem kleinen Einzelhandel und selbst von der Gewerkschaft bekomme, lässt mich schmunzeln … und auch ein bisschen weinen: Radio, warst so ein schönes Medium …

Und ja, ich streite mich gerne – auch hier in den Kommentaren – und ja, ich zensiere nicht …

5 Kommentare zu “Missionar no more … (Radio und Social Media)

  1. Naja…naja… Noch vor wenigen Wochen habe ich eine Studie gesehen, aus der hervorging, dass kein iPod, kein Stream und keine Flatrate der Welt an die Bedeutung des Radios in Sachen Musik herankommt. Neue Musik wird noch immer über das gute alte Radio kennen- (und im besten Fall lieben)gelernt; insofern stimme ich Dir da nicht zu.

    Richtig ist, dass eine Verschmelzung der Medien unabdingbar voranschreitet (Stichwort Second Screen etc.) und wer da nicht mit wachem Auge und Ohr hinterher ist, hat verloren.

    Es bleibt abzuwarten, wie „einfach“ etwa Onlineradios etc. auf dem „klassischen“ Mobilitätssektor (gemeint sind keine Smartphones, sondern buchstäblich was „mobiles“, nämlich das Auto etwa) zu empfangen sein werden. Das ist am Ende die Voraussetzung, um dem UKW-Funk das Wasser abzugraben. Und wenn das geschieht, ist die Verknüpfung zwischen Social Media und alten Medien kein „kann“ mehr, sondern ein „muss“.

  2. Sehe ich genau so! Was mich aber vor allen Dingen umtreibt ist das Missverhältnis zwischen Mediennutzung von Radio (weiterhin anständige Zahlen) und dem Anteil des klassischen Radios am Werbevolumen. Da klafft eine riesen Lücke, die aber vor allen Dingen hausgemacht ist. Denn gerade in der Radiovermarktung herrscht ein munteres „Weiter so!“ und ein striktes Ablehnen von modernen – nachweisbaren – Werbeformen. Das quittiert der gemeine Kunde mit Abwendung vom Medium. Und das ist die eigentliche Misere der ganzen Geschichte – schließlich muss sich Radio ja auch finanzieren. Und gerade da würde eine konsequente Verquickung der Medien sehr nützlich sein. Aber wie gesagt, ich bin müde …

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